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Mai
Einen durchaus subjektiven Kalender haben die beiden Preußen-Freunde Ralph Breyer und Jörg-Hendrik Sohst für dieses Jahr zusam

Preußen – Kalender MAI

 

Einen durchaus subjektiven Kalender haben die beiden Preußen-Freunde Ralph Breyer und Jörg-Hendrik Sohst für dieses Jahr zusammengestellt. Breyer, z.Zt. wissenschaftlicher Berater des Museums zur Brandenburgisch-Preußischen Geschichte auf Schloss Gusow, Sohst, selbstständiger Privatdozent in Berlin und Paris, haben den Kalender als Buch herausgegeben.
Die Luxusausgabe in Leder gebunden kostet 78,- DM, die einfache Ausgabe 34,80 DM.
Einen monatlichen Vorabdruck veröffentlichen die Preußischen Nachrichten, das Buch ist über die Preußische Gesellschaft erhältlich.

 

1. Mai 1756

Vertrag von Versailles zwischen Österreich und Frankreich

Bis zu diesem Tag galt die französische Garantie für das preußische Schlesien. Die Konvention von Westminster jedoch, mit der sich Friedrich aus Sicht der Franzosen deutlich unloyal verhalten hatte, führte zu dem Bündnis mit dem Habsburger Reich, um das sich die Wiener Politiker vorher vergeblich bemüht hatten. Damit begann sich die bedrohliche Konstellation des Siebenjährigen Krieges abzuzeichnen.

2. Mai 1784 Seydlitz-Denkmal für Berlin

König Friedrich der Große lässt auf dem Berliner Wilhelmsplatz ein marmornes Standbild des berühmten Reitergenerals aufstellen, das von J.P.A. Tassaert geschaffen worden ist. Es war ein ungeschriebenes Gesetz in Preußen, nur Monarchen mit einem Reiterstandbild zu ehren. Generale, auch wenn vornehmlich Kavalleristen, hatten sich mit Denkmälern zu Fuß zu begnügen. Für Seydlitz, Prinz Heinrich, den Herzog von Braunschweig und Zieten jedoch fand sich an anderer Stelle ein Kompromiss: Sie bilden – beritten! – die Eckfiguren am großen Denkmal des Alten Fritzen unter den Linden.

2. Mai 1813 Schlacht bei Großgörschen (oder Lützen)

Die erste Schlacht des Frühjahrsfeldzuges nach der Erhebung Preußens gegen Napoleons Herrschaft war eine Niederlage für die verbündeten russischen und preußischen Truppen – vor allem dank der unverständigen Führung durch den russischen General Wittgenstein. Die moralische Wirkung war indessen eine ganz andere, da man einer französischen Übermacht tapfer und lange standgehalten hatten. Den Rückzug traten die Verbündeten in guter Haltung und ohne wesentliche Verluste an. Als verhängnisvoll sollte sich die Verwundung des Stabschefs General v. Scharnhorst erweisen, an der er später starb.

3. Mai 1774 General der Infanterie Ernst Heinrich August Baron de la Motte Fouqué gestorben

In einem Haus unmittelbar neben dem Brandenburger Dom lebte der General, der zur Altersabsicherung eine Dompropststelle erhalten hatte, bis zu seinem Tode. Im Siebenjährigen Krieg war er am 23.6.1760 bei Landeshut, tapfer gegen eine dreifache Übermacht unter General Laudon kämpfend, in Gefangenschaft geraten. Friedrich II. sah ihn seit Rheinsberg als einen persönlichen Freund an und verzieh ihm – anders als dem General Finck nach Maxen – angesichts der bewiesenen Bravour die Niederlage. Er besuchte ihn mehrfach in Brandenburg.
Der General war der Großvater des Dichters Friedrich de la Motte-Fouqué.

4. Mai 1871 Die neue Reichsverfassung wird in Kraft gesetzt

Innerhalb des neugebildeten Deutschen Reiches war Preußen, noch zusätzlich gestärkt durch die Annexionen von 1866, welche eine Verbindung zwischen Ostelbien und Rheinpreußen geschaffen hatten, die überragende Kraft. Es nahm 65% des deutschen Territoriums und 60% der Bevölkerung des Reiches ein. Das Verhältnis zwischen Preußen und dem Reich war im wesentlichen das einer Personalunion auf vielen Ebenen: die monarchische Spitze des neuen Staates war der König von Preußen als Deutscher Kaiser, preußische Einrichtungen wie das Kriegsministerium und der Große Generalstab fungierten, ohne es formal zu sein, als Reichsinstitutionen. Die zeitweilig (1872) versuchte Trennung des Amtes des preußischen Ministerpräsidenten von dem des Reichskanzlers erwies sich als sowenig praktikabel, dass Bismarck beides schon am 9.11.1873 wieder in seiner Hand vereinigte.

5. Mai 1808 David Gilly gestorben

Gilly wurde am 7. Januar 1748 in Schwedt/O. geboren. Er war der Gründer der Berliner Bauakademie. Bereits 1779 Baudirektor von Pommern, holte ihn König Friedrich Wilhelm II. als Oberbaurat nach Berlin. Er gestaltete für dessen Nachfolger Friedrich Wilhelm III. den Landsitz Paretz sowie das Schloss Freienwalde. Für die allgemeine Durchsetzung des klassizistischen Stiles in Preußen ist sein Wirken, wie auch das seines Sohnes Friedrich Gilly, von einiger Bedeutung gewesen. Sein berühmtester Schüler war Karl Friedrich Schinkel. Gilly starb verstarb in Berlin.

6. Mai 1757 Schlacht bei Prag

Nachdem Friedrich der Große den 3. Schlesischen Krieg 1756 mit dem Überfall auf Sachsen begonnen hatte, marschierte er im Frühjahr des darauffolgenden Jahres in Böhmen ein. Bei Prag kam es zum blutigen Treffen mit der annähernd gleichstarken österreichischen Armee. Friedrich ließ die Armee lange vor den feindlichen Stellungen marschieren, ehe er den rechten Punkt für den Angriff von Osten her ausgemacht hatte. Dennoch scheitert der erste Infanterieansturm unter Winterfeldt und Feldmarschall Grafen Schwerin; ersterer wird verwundet, letzterer fällt, die Fahne seines Regimentes in der Hand. Feldmarschall Browne beginnt einen wuchtigen Gegenangriff. Es ist der hohen Qualität des preußischen Heeres und dem beträchtlichen Maß an glücklicher Eigeninitiative, das verschiedene Befehlshaber zeigten, zu verdanken, wenn die Österreicher dennoch geschlagen werden; ihr Befehlshaber Browne fällt ebenfalls. Im Ergebnis wird die Festung Prag eingeschlossen.

6. Mai 1882 Kronprinz Wilhelm geboren

Auf die Nachricht von der Geburt eines Urenkels telegrafierte der alte Kaiser Wilhelm I.: „Hurra! Vier Könige!“ Abgesehen davon, dass es aufschlussreich ist, dass er hier nur als Preußenkönig dachte und die Kaiserwürde unerwähnt ließ, sollte sich seine Hoffnung nicht erfüllen: Der letzte preußische Kronprinz kam niemals auf den Thron. Er tat Dienst bei den Danziger Leibhusaren, wo er die exklusive Atmosphäre der Armee kennen und schätzen lernte, allerdings leider nur in der privilegiert-oberflächlichen Art, die ihm so oft eignete. Bekannt wurde sein Telegramm anlässlich eines Konfliktes der Armee mit der Zivilbevölkerung in Elsass-Lothringen (Zabern-Affäre): „Immer feste druff!“ Das mochte in Friedenszeiten einen gewissen rotzigen Charme haben, als verantwortlichen Staatsmann empfahl es ihn nicht. Kronprinz Wilhelm war vor allem an Sport (Reiten) und Frauen interessiert. Bis 1918 war von ihm kaum eine Handlung von Gewicht oder ein Ausspruch im Gedächtnis der Deutschen geblieben, der geeignet gewesen wäre, seine Thronfolge bei der Abdankung des Kaisers auch nur zu erwägen.

7. Mai 1866 Attentat auf Graf Bismarck

Graf Bismarck kam vom Vortrag beim König aus dem Schloss und ging zu Fuß die Straße Unter den Linden Richtung Wilhelmstraße. In der Nähe der Schadowstraße schoss der Student Ferdinand Cohen-Blind zweimal von hinten auf den Ministerpräsidenten, ohne ihn jedoch zu treffen. Der wandte sich um und packte den Attentäter beim Handgelenk, ein Ringen entspann sich, in dessen Verlauf drei weitere Schüsse abgefeuert wurden. Obwohl Bismarck von ihnen getroffen wurde, blieb er unverletzt, da die Kugeln offensichtlich nicht genug Durchschlagkraft besaßen. Man muss davon ausgehen, dass der zu diesem Zeitpunkt sich schon anbahnende Konflikt mit Österreich und den meisten anderen deutschen Staaten unerhörten Hass auf den hervorrief, der ihn vorbereitete.

8. Mai 1747 Bach musiziert vor Friedrich dem Großen

König Friedrich II. zeigte lebhaftes Interesse am Schaffen des Komponisten und Leipziger Thomaskantors Johann Sebastian Bach (1685 - 1750). Dessen Sohn Carl Philipp Emanuel Bach hatte er noch als Kronprinz 1738 nach Ruppin als Cembalist in das von ihm gegründete und zeitweilig von Graun geleitete Kammerorchester geholt. Friedrich lud Bach ein, und so besuchte der Komponist den König 1747 in Potsdam, wo ihm Anerkennung und Ehre zuteil wurde. Friedrich ließ ihn an alle verfügbaren Orgeln führen, um seine Kunst erleben zu können. Er stellte ihm ein musikalisches Thema, welches der Meister gekonnt variierte und später unter dem Titel „Musikalisches Opfer“ dem Preußenkönig widmete, weil er auf den Titel eines „Hofcompositeurs“ hoffte. Dazu kam es nicht mehr, da Bach drei Jahre später in Leipzig verstarb. Am 8. Mai war es die Orgel der Potsdamer Garnisonkirche, auf der Johann Sebastian Bach dem König von Preußen vorspielte.

8. Mai 1837 Generalfeldmarschall (1888) Prinz Albrecht (Sohn) von Preußen geboren 

Die Regelung der Herrschaft im welfischen Herzogtum Braunschweig war eine heikle Angelegenheit: Nachdem am 18.4.1884 Herzog Wilhelm von Braunschweig kinderlos gestorben war, wäre der ehemalige hannoversche Kronprinz Ernst August von Cumberland der legitime Erbe gewesen. Solange indessen dieser an seinem Thronanrecht auf das ehemalige Königreich festhielt, den Status quo also nicht anerkannte, befand er sich de jure im Kriegszustand mit dem Deutschen Reich und war daher in der Ausübung der Herrschaft „verhindert“. Deshalb wählte der braunschweigische Landtag am 21. Oktober 1884 den Prinzen Albrecht von Preußen, seit zehn Jahren Kommandierender General des X. A.K. in Hannover, zum Regenten. In den Einigungskriegen hatte er zunächst die 1. Garde-Kavallerie-Brigade geführt, später die 2. Prinz Albrecht, der auch Herrenmeister des Johanniterordens war, heiratete Prinzessin Marie von Sachsen-Altenburg und lebte zumeist in Braunschweig oder auf seiner Besitzung in Camenz (Schlesien). Er starb – bis zu seinem Tode Regent von Braunschweig – am 13.9. 1906.

9. Mai 1688 Tod des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm. (nach altem Kalendern am 29. April)

Ihm folgt sein Sohn, der nachmalige erste preußische König, als Kurfürst Friedrich III. Über die Verdienste des Großen Kurfürsten ist viel gesagt worden. Dennoch bleibt auch Raum zur Kritik. Seine erste Gattin, Louise Henriette von Oranien, war am 18.6. 1667 gestorben. Er heiratete danach Dorothea von Holstein, eine herrische Person, der er einmal in einem Wutanfall seinen Generalshut vor die Füße warf mit dem Bemerken, ihr stünde er besser an. Sie gebar ihm sieben Kinder und hatte trotz seines gelegentlichen Ärgers erheblichen Einfluss auf Friedrich Wilhelm, den sie zuungunsten seiner Söhne aus erster Ehe einsetzte. Besonders ihr Verhältnis zu dem kränklichen Kurprinzen Friedrich war beiderseits von Abneigung bestimmt. Obwohl sie ihr Ziel, eine Art Teilung Brandenburgs gegen die bestehenden Hausgesetze, nicht erreichte, gelang es ihr, mehrere Sekundogenituren für ihre Söhne durchzusetzen. Zudem war die familiäre Atmosphäre am Berliner Hof in den letzten Jahren vor 1688 völlig vergiftet.

10. Mai 1871 Der Frankfurter Frieden beendet den Deutsch-französischen Krieg

Die Bedingungen des Friedens sind hart. Frankreich muss Elsass-Lothringen an Deutschland abtreten sowie eine Kontribution von 5 Milliarden Franken Kriegsentschädigung bezahlen, bevor die letzten Besatzungstruppen abgezogen werden. Damit war davon auszugehen, dass der Nachbar im Westen des neu gegründeten Deutschen Reiches ein unversöhnlicher Gegner bleiben und auf Revanche sinnen würde. Die weise Mäßigung, die Bismarck 1866 gegenüber dem Habsburgerreich walten ließ, vermisst man hier ein wenig. Es war indessen ohnehin klar, dass Frankreich die Niederlage – mit oder ohne Annexion – nicht verzeihen würde. Den Ratschlag andererseits, den der amerikanische Colonel Walker dem Kanzler gab – von Frankreich nicht mehr übrig zu lassen als die Augen, diesen Krieg zu beweinen – hat er nicht umgesetzt. Das wäre damals wohl auch nicht durchführbar gewesen; er entsprang einem Denken, das auf das 20. Jahrhundert vorausweisst.

11. Mai 1878 Missglücktes Attentat auf Kaiser Wilhelm I.

Kaiser Wilhelm I. hatte mit seiner Tochter, der Großherzogin Luise von Baden, eine Spazierfahrt im Tiergarten in einem offenen Wagen unternommen. Bei der Rückfahrt wurden Unter den Linden auf der Höhe der russischen Botschaft mehrere Schüsse auf den Kaiser abgefeuert, der indessen unverletzt blieb. Der Attentäter, ein einundzwanzigjähriger Leipziger Klempnergeselle namens Emil Max Hödel, wurde verhaftet. Er bekannte sich als Sozialist und Anarchist. In einem Prozess wurde er zum Tode verurteilt. Kronprinz Friedrich Wilhelm, der nach dem Nobiling-Attentat die Stellvertretung seines Vaters innehatte, hätte seinem Gnadengesuch gern stattgegeben. Bismarck jedoch bestand aus politischen Gründen auf der Vollstreckung, die am 16.8. desselben Jahres erfolgte. Der Kanzler hatte das Attentat benutzt, um ein gegen die Sozialdemokratie gerichtetes Gesetz einzubringen, das jedoch im Reichstag zunächst durchfiel.

12. Mai 1688 Verzeichnis der „Antiquitaeten-Cammer“ begonnen

„Rath, Bibliothecarius und erster Kunstkämmerer“ Lorenz Beger, seit dem 1.9.1693 Oberaufseher aller kurfürstlichen Sammlungen, aber bereits vom Großen Kurfürsten als Bibliothekar und Aufseher über die Münzsammlung angestellt, hatte bereits kurz nach dessen Tode begonnen, eine Übersicht über die in kurfürstlichem Besitz befindlichen Kunstgegenstände zu erstellen. Das war der Beginn der gezielten Zusammenführung derselben im Antikenkabinett, welches auf der Nordwest-Seite des Berliner Schlosses untergebracht wurde. Friedrich III. hatte Interesse daran, eine repräsentative Menge von Kunstschätzen in seiner Residenz zu konzentrieren, und ging dabei mit Eifer und Kenntnis vor, von Beger gut beraten. Dessen Meisterstück ist der Ankauf der wertvollen Sammlung Bellori (1698). Beger gab als monumentale Huldigung auf seinen Herrn mit großem Erfolg den dreibändigen, reich mit Kupferstichen bebilderten „Thesaurus Brandenburgicus“ (1696, 1698, 1701) heraus. In ihm werden die Bestände der Berliner Antikensammlung publiziert. Heute befinden sich die meisten Stücke in Dresden.

13. Mai 1779 Der Frieden von Teschen beendet den Bayerischen Erbfolgekrieg

Mit viel Energie war der so genannte Kartoffelkrieg nicht geführt worden. Es fehlte sowohl König Friedrich als auch seinen Generalen der alte Schneid. So ging es ohne Schlachten, man versuchte einander auszumanövrieren und verhandelte im übrigen. Die wirklichen Verluste entstanden durch Krankheit und Desertion. Tatsächlich endete der Krieg ohne eine Entscheidung. In seinem Gefolge jedoch erreichte Friedrich sein Ziel, Bayerns Einverleibung in den Habsburger Besitz zu verhindern.

14. Mai 1699 General d. Kavallerie Hans Joachim von Zieten geboren

Die militärische Karriere des jungen Zieten lief langsam an: seine körperliche Schwäche ließ ihn als Soldat untauglich scheinen. Endlich bekam er eine Offiziersstelle bei dem unter Friedrich Wilhelm I. aufgestellten Husarenkorps. Mit dieser Waffe ist sein Name auch immer verbunden geblieben. Als sie unter Friedrich Aufwertung erfuhr und ausgebaut wurde, begann auch der Stern Zietens zu steigen. Er zeichnete sich durch überraschende Überfälle und andere kühne Unternehmungen aus, so vor allem bei Torgau. („Zieten aus dem Busch“). Wie außer ihm nur noch mit Friedrich selbst, Blücher und Wrangel werden mit Zieten Anekdoten verbunden.

14. Mai 1752 Albrecht Thaer in Celle geboren

Thaer war Preußens bedeutendster Landwirt; er machte sich besonders durch die Anwendung moderner naturwissenschaftlicher Erkenntnisse auf die Landwirtschaft und um die Schafzucht verdient. Ursprünglich hatte er Medizin studiert und auf diesem Fach auch promoviert. Eine Zeitlang praktizierte er erfolgreich. Dann jedoch wandte er seine Aufmerksamkeit dem Gebiet zu, auf dem er berühmt werden sollte. 1810 erhielt er eine Professur für Landwirtschaft an der neu gegründeten Berliner Universität, die er aber nicht lange innehatte. Statt dessen gestaltete er das von ihm erworbene Gut Möglin bei Wriezen zu einer Königlichen Akademie des Landbaues um. Thaers Neuerungen wurden nicht kritiklos hingenommen, jedoch der Mann war witzig und schlagfertig. Auf die boshafte Kampfschrift des altadligen Querulanten Geist von Beeren „Die preußische Landwirtschaft ohne Thaer“ antwortete er mit einer Gegenschrift: „Die preußische Landwirtschaft ohne Geist“. Thaer starb in Möglin am 26. Oktober 1828.

15. Mai 1901 Karl Liebknecht spricht im Potsdamer Victoria-Garten

Der am 13.08.1871 geborene Sohn des bekannten sozialdemokratischen Politikers Wilhelm Liebknecht hatte eine bürgerliche Karriere als Rechtsanwalt in Berlin begonnen. Daneben trat er in die Fußstapfen seines Vaters und bewarb sich 1901 um ein Reichstagsmandat in einem Wahlkreis unmittelbar am Zentrum der Macht. Es ist schon bemerkenswert, dass es dem jungen Sozialdemokraten 1911/12 gelang, im Wahlkreis Potsdam-Spandau-Osthavelland, dem so genannten „Kaiserwahlkreis“, die Mehrheit zu erhalten (24 299 Stimmen). Sein Gegenkandidat war der konservative Potsdamer Oberbürgermeister Dr. Kurt Vossberg (20369 Stimmen). Die Rede im Victoria-Garten war die erste seiner insgesamt 23 öffentlichen Reden in Potsdam. Kaiser Wilhelm II. hatte angekündigt, Potsdam den Residenzstatus zu entziehen, falls Liebknecht gewählt werden sollte. Diese Drohung machte er indessen nicht wahr. Liebknecht wurde im ersten Weltkrieg bekannt, weil er bei der zweiten Abstimmung über die Kriegskredite als einziger mit Nein‘ stimmte. Er zählte zu den Gründern des Spartakusbundes und der Kommunistischen Partei und wurde von rechten Freikorpsangehörigen 1919 ermordet.

16. Mai 1682 Vertrag über die Bereitstellung von Schiffen für Brandenburg

Die Abmachung zwischen dem Großen Kurfürsten und dem niederländischen Unternehmer und Reeder Benjamin Raulé ist der letzte einer Reihe von Verträgen, mit denen es Friedrich Wilhelm von 1676 bis zu dieser Zeit auf der Basis von Leihe schaffte, ständig eine bestimmte Anzahl von Schiffen, oft zu konkreten Unternehmungen, unter der Flagge mit dem roten brandenburgischen Adler zu halten. Später ging Friedrich Wilhelm dazu über, Schiffe zu kaufen. In Erinnerung an die niederländischen Inspirationen und Beziehungen des Kurfürsten, die seinen Ambitionen Pate gestanden haben, bestimmte Kaiser Wilhelm II. 1901 den „Holländischen Marsch“ von Jakob Rauscher zum deutschen Marinepräsentiermarsch, was er noch heute ist. 

17. Mai 1742 Schlacht bei Chotusitz

Der preußische Sieg beim böhmischen Chotusitz hatte unmittelbare politische Folgen. Kaiserin Maria Theresia steckte in enormen Schwierigkeiten, weil die europäischen Mächte, u.a. Frankreich, Sachsen, Bayern und Spanien ihre Thronfolge nicht anerkannten, da mit ihrem Vater der Mannesstamm des Hauses Habsburg ausgestorben sei. Daher musste sie nach der erneuten Niederlage ihrer Armee gegen die Preußen auf Friedrichs Bedingungen eingehen. Am 11. Juni wurde ein Präliminarfrieden in diesem Sinne geschlossen, am 28. Juli erkannte der Wiener Hof im Berliner Frieden den preußischen Besitz des größten Teils Schlesiens an.

17. Mai 1778 Goethe in Berlin

Als Geheimer Legationsrat weilte der damals schon berühmte Dichter im Gefolge seines Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach vom 15. bis zum 20.5. in der preußischen Hauptstadt, um dann noch für einige Tage in Potsdam zu bleiben. Es handelte sich um politische Besprechungen im Vorfeld des Bayerischen Erbfolgekrieges. Friedrich der Große weilte zu diesem Zeitpunkt in Schlesien und inspizierte Truppen, die Besucher wurden daher am 17.5. von Prinz Heinrich empfangen und zu Tisch geladen. Es kam aber kein echtes Gespräch zwischen dem Dichter und den Preußen zustande: es gelang weder dem Prinzen, noch dem Grafen Lehndorff, seinem Tischnachbarn, ihn mit Fragen aus der Reserve zu locken. Zunächst hatte ihn das militärisch-geschäftige Treiben der Königsstadt beeindruckt, die Details der Verhandlungen verdrossen ihn aber doch soweit, dass er mit denkbar schlechter Meinung Berlin verließ, ohne selbst einen besseren Eindruck hinterlassen zu haben.

18. Mai 1736 Friedrich Wilhelm Freiherr von Erdmannsdorff geboren

Erdmannsdorffs klassizistischer Architekturbegriff bildete sich bei den Reisen nach England und Italien heraus, die er mit Fürst Leopold II. von Anhalt-Dessau unternahm. Hier beeinflusste ihn vor allem die römische Antike. Deren Wiederentdeckung durch Winckelmann, mit dem er persönlich bekannt und befreundet war, suchte er in seiner Architektur umzusetzen. Er schuf für den Fürsten in Dessau und dem Park von Wörlitz mehrere Gebäude. Für Preußens Kunst war er von Bedeutung, als er auf Wunsch König Friedrich Wilhelm II. Sanssouci teilweise umgestaltete und auch Änderungen im Berliner Stadtschloss durchführte. Erdmannsdorff starb am 9.3.1800 in Dessau. Einer seiner Schüler war Friedrich Gilly.

18. Mai 1782 General v. Lützow in Berlin geboren

Adolf Ludwig Wilhelm von Lützow begann seine Karriere im exclusiven 1. Bataillon Garde. Nach der Niederlage von 1806 gehörte er zu Schills Kavallerie, die unter Gneisenaus Befehl Kolberg verteidigen half. So war Lützow auch 1809 bei Schills nicht genehmigtem Ausritt dabei. Verwundet, konnte er den Zug des Majors nach Stralsund nicht mehr mitmachen, so dass ihm das Schicksal der überlebenden und gefangen genommenen Schillschen Offiziere erspart blieb, die erschossen wurden. 1813 bildete er ein Freikorps, das berühmt wurde. Lützow war ein tapferer, risikobereiter Offizier, der im Laufe seiner Militärzeit mehrfach aufs schwerste verwundet wurde. Er starb 1834 in Berlin.

19. Mai 1527 Kurprinz Joachim erhält vom Rat der Stadt Cölln ein Grundstück zur Anlage seines „Tier- und Lustgartens“ zur Verfügung gestellt

Nach 1550 wird daraus zunächst ein Jagdgehege. Um eine Verbindung vom Schloss dorthin zu haben, baut man die nachmalige Schlossbrücke (damals der Jagdhunde wegen nur Hundebrücke genannt). Der Große Kurfürst befiehlt 1647, den Verbindungsdamm von Schweinen freizuhalten und repräsentativ mit Bäumen zu bepflanzen – die Straße „Unter den Linden“ entsteht. Unter dem Soldatenkönig werden natürlich auch Teile des Tiergartens zum Exerzierplatz. In den ersten Regierungsjahren Friedrichs II. legt man einen öffentlichen Barockpark an; der Architekt Knobelsdorff errichtet sich dort ein Sommerhaus und eine Meierei. Der Tiergarten wird in der Folge ein beliebter Ausflugsort der Berliner. 1785 entsteht für den Prinzen Ferdinand, des Königs jüngsten Bruder, das Schloss Bellevue.

19. Mai 1762 Johann Gottlieb Fichte geboren

Der Philosoph Fichte wurde in Rammenau (Oberlausitz) geboren und war seit 1805 in preußischen Diensten, zunächst in Erlangen, später in Königsberg und Berlin. Dort wurde er 1810 Professor und erster Rektor der neu gegründeten Universität, an deren Einrichtung er neben Humboldt und Schleiermacher mitwirkte. Er hielt 1806/07 die „Reden an die deutsche Nation“, in denen er seine Vorstellungen von der Erziehung der Nation artikulierte. Als Philosoph stand Fichte zunächst unter dem prägenden Einfluss Kants. Seine eigene Philosophie betont die schöpferische Kraft des Willens. 1814 starb er in Berlin.

19. Mai 1771 Rahel Levin in Berlin geboren

Rahel Levin lernte 1808 den Schriftsteller Karl August Varnhagen von Ense kennen und heiratete ihn im September 1814. Ihr Berliner Salon, in dem sich künstlerisch interessierte Kreise trafen, war eines der geistigen Zentren der preußischen Hauptstadt in der Biedermeierzeit. Während der Befreiungskriege und der Choleraepidemie 1813 betreute sie Verwundete und Erkrankte. Bedeutend ist auch ihr Briefwechsel, den ihr Mann nach ihrem Tode herausgab.

20. Mai 1664 Andreas Schlüter geboren

Moeller van den Bruck nannte ihn „einen Römer in Deutschland“. Andreas Schlüter war vielseitig begabt. Er war als Baumeister, Bildhauer und Innenarchitekt verschiedener Schlösser tätig gewesen und hatte an mehreren osteuropäischen Herrensitzen und Höfen gearbeitet, bevor ihn König Friedrich I. 1694 nach Berlin holte. Dort schuf er das berühmte Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten, das auf der Langen Brücke stand, sowie die beeindruckenden Köpfe der sterbenden Krieger im Innenhof des Zeughauses. Der Barockkünstler war auch mit dem Ausbau des Berliner Stadtschlosses betraut worden. Nach dem Einsturz des von ihm gebauten nordwestlichen Schlossturmes (1706; der sog. Münzturm), entließ ihn der König jedoch. Er ging später nach Russland, wo er auch starb.

20. Mai 1764 Johann Gottfried Schadow geboren

Der berühmte Bildhauer war ein Urberliner, was er in keiner Lebenssituation verleugnen konnte. Einmal erkundigte er sich in München in seinem derben, aber nicht unhöflichen Tonfall bei einem Passanten nach dem Weg. Der Bayer antwortete: „Kennen’s net freindlicher frogn?“ Darauf Schadow: „Wat? Noch freundlicha? Ausjeschlossen – lieba valoof ick mir.“

20. Mai 1813 Schlacht bei Bautzen

In der Schlacht, die sich bis zum folgenden Tag hinzog, siegte Napoleon wieder unter großen Anstrengungen über die Verbündeten, denen er zahlenmäßig überlegen gewesen war. Der Einfluss des Generaladjutanten v.d.Knesebeck bestimmte die Monarchen, die noch unentschiedene Schlacht abzubrechen. Die gute Haltung der Preußen und Russen sowie die hohen Verluste seiner eigenen Armee veranlassten den französischen Kaiser, einen Waffenstillstand zu schließen. Noch war er überlegen, doch das Kräfteverhältnis veränderte sich zugunsten der Verbündeten; auch durch den absehbaren Eintritt Österreichs in den Krieg. Die Reformbemühungen und Erneuerung der preußischen Armee begannen erkennbare Früchte zu tragen.

21. Mai 1671 Kurfürst Friedrich Wilhelm erlaubt 50 aus Österreich vertriebenen jüdischen Familien die Niederlassung in der Mark Brandenburg

Das durch den Dreißigjährigen Krieg entvölkerte Brandenburg war nach des Großen Kurfürsten und seiner Nachfolger Einschätzung ein Einwanderungsland, wie man heute sagen würde. Juden, Hugenotten, Salzburger Protestanten, Pfälzer – wer immer seine Heimat verlassen musste und ein nützlicher Staatsbürger Brandenburg-Preußens zu werden versprach, war gern gesehen. Dieses nüchterne Kalkül entsprach dem Interesse des Landes; es brachte indessen eine für ihre Zeit bemerkenswerte religiöse Toleranz mit sich. Friedrich der Große hat einmal geäußert, wenn denn die Türken kämen, das Land zu „peublieren“ – zu besiedeln –, so wolle er ihnen Moscheen bauen.

21. Mai 1855 Die Statuen von Gneisenau und York werden enthüllt

Beide von Christian Daniel Rauch geschaffenen Statuen geben ein realistisches Bild der Dargestellten in ihren Uniformen und schöner Haltung. Auf antikisierende Kleidung oder Haltung verzichtete Rauch völlig, eine Bronzetafel an der Vorderseite des Sockels bietet die Namen „Gneisenau“ und „Yorck“, ohne weitere Titel. Die Rückseite zeigt die vom König nach dem Sieg verliehenen Wappen der Geehrten. Damals standen beide Standbilder neben der Neuen Wache. Heute flankieren sie das Blücherdenkmal, welches hinter der Rasenfläche neben dem heutigen Operncafé, damaligem Prinzessinnen-Palais, steht.

22. Mai 1848 Friedrich Wilhelm IV. eröffnet mit einer Thronrede die Preußische Nationalversammlung

Das Verhalten Friedrich Wilhelms IV. in und sein Verhältnis zur Revolution war widersprüchlich. Einerseits hasste er die von ihr ausgehende und geforderte Modernität, weil seine Vorstellungswelt sich im romantischen Rahmen in die Gegenwart projizierter Mittelalter-Idealisierungen bewegte. Andererseits war ihm die Grausamkeit, die mit einer brutalen Konterrevolution, wie sie in seiner Umgebung durchaus gefordert wurde, auch zuwider, da er die Menschen glücklich machen wollte, wie er in der bemerkenswerten Rede zur Huldigungsfeier in Berlin 1840 ausführte. So finden wir ihn im Revolutionsjahr immer wieder in z.T. Kompromiss-Situationen, die seinem Naturell und seinen Wünschen nicht entsprachen – so der Umritt mit schwarz-rot-goldener Armbinde oder eben die Eröffnung des Gremiums, das eben die Verfassung schaffen sollte, die er niemals gewollt hat. Auf den Tag genau 33 Jahre zuvor hatte sein Vater unter dem Eindruck des wiederaufflammenden napoleonischen Krieges die Gewährung einer Verfassung nach dem Sieg versprochen.

23. Mai 1683 Antoine Pesne geboren

König Friedrich I. beruft den Franzosen am 5. Januar 1711 als preußischen Hofmaler nach Berlin. Er wird dort Direktor der Königlichen Kunstakademie. Sein Werk besteht vor allem in Porträts, die von großer Repräsentanz und Meisterschaft sind. Bekannt wurden vor allem mehrere Bilder Friedrich II., z.T. noch als Kronprinz. Er schuf indessen auch die Decken- und Wandgemälde mehrerer Hohenzollernschlösser, so für Rheinsberg, Charlottenburg und das Potsdamer Stadtschloss. Am 5.8.1757 verstarb Pesne in Berlin.

23. Mai 1744 Karl Edzard von Ostfriesland stirbt

Die kriegerische Dynastie Hohenzollern hat auch andere Wege gefunden, ihr Territorium zu erweitern. Vor allem die frühen Markgrafen und Kurfürsten arbeiteten zu diesem Zwecke öfter mit Erbverträgen, die mit den herrschenden Familien von Gebieten geschlossen wurden, die für eine Einbeziehung in den brandenburgisch-preußischen Staat geeignet schienen. So geschah es auch im Falle des Fürstentumes Ostfriesland. Die preußische „Exspektanz“ auf das Gebiet führte in den Tagen nach dem Tod des letzten Fürsten zum Anschluss an die preußische Monarchie.

23. Mai 1812 Gründung des Königlich Preußischen Johanniter-Ordens

Im Zuge der Reformen war 1810 die protestantische Ballei Brandenburg des Johanniter-Ordens aufgelöst worden. Die Neugründung sollte der im Prinzip anerkannten Arbeit der Vereinigung – Förderung und Ausübung der Krankenpflege – eine neue Basis geben. Daneben aber war der Orden auch ein exklusiver Club, der sich in der Tradition des ältesten mittelalterlichen Ritterordens sah: adlige Geburt, angemessene Stellung im öffentlichen Leben, ein Mindestalter von 30 Jahren und evangelischer Glaube waren die Bedingungen der Aufnahme. Das Ordenszeichen ähnelt dem Pour le merite, es bestand aus einem weißen, achtspitzigen Kreuz, zwischen den Kreuzarmen schwarze (oder bei den sog. Rechtsrittern) goldene Adler, das Ganze von der preußischen Krone überhöht.

24. Mai 1889 Bismarcksche Sozialgesetzgebung: Alters- und Invalidenversicherung

Bismarck war zu klug, um zu glauben, dass allein mit Repressionen wie dem Sozialistengesetz die Bestrebungen der Sozialdemokratie zu unterbinden seien. So erließ Wilhelm I. auf seine Veranlassung am 17.11.1881 eine Kaiserliche Botschaft, in der dem Willen Ausdruck verliehen wurde, bestimmten Missständen und Nöten innerhalb des Arbeitslebens Abhilfe zu schaffen. In Umsetzung dieser Ankündigung wurde im Laufe der 80er Jahre die Krankenversicherung und die Unfallversicherung für Arbeitnehmer per Gesetz gesichert. Die Alters- und Invalidenversicherung bildete den vorläufigen Abschluss des Bismarckschen Wirkens auf diesem Felde. Diese Gesetzgebung war damals führend und vorbildlich in der ganzen Welt. Wenn das Ziel war, der Sozialdemokratie damit das Wasser abzugraben, so wurde es verfehlt. Aber für Deutschland sind mit diesen Bestimmungen die Grundlagen des Sozialstaates gelegt.

25. Mai 1848 Generaloberst von Moltke (d. Jüngere) geboren

Auf dem Rittergut Gersdorff geboren, blieb er ein Leben lang der Neffe eines berühmten Onkels. Charaktervoll, gebildet und talentiert, vermochte er nicht in dessen Fußstapfen zu treten, obwohl seit 1906 Chef des Großen Generalstabes. Selten haben einem Menschen seine Vorzüge so zum Nachteil gereicht. Dem Pessimisten und Skeptiker fehlten die Nerven und die innere Ruhe, als er sie am meisten gebraucht hätte. Mit dem Beginn des 1. Weltkrieges ließ er sich durch die Anfangserfolge der Armee des bayerischen Kronprinzen hinreißen, einem Frontalangriff zuzustimmen. Der Sieg der Russen bei Gumbinnen alarmierte ihn derart, dass er Truppen aus dem Schwenkungsflügel im Westen abzog und nach Osten warf – wo Hindenburg und Ludendorff ohne sie die Schlacht bei Tannenberg gewannen. Als diese Truppen an der Marne dringend gebraucht wurden, waren sie mitten in Deutschland mit der Eisenbahn unterwegs.

26. Mai 1849 Friedrich Wilhelm IV. schließt ein Bündnis mit den Königreichen Hannover und Sachsen ab
Der mühsam zustande gekommene Vertrag – Bayern war eingeladen, unterzeichnete aber nicht – war der Anfang der so genannten Unionspolitik. Eine Reihe deutscher Kleinstaaten schlossen sich diesem Fürstenbund in der Folge an, welcher zuletzt den Nationalstaat schaffen sollte. Begünstigt wurde das dadurch, dass die preußische Armee allerorten erfolgreich bei der Niederschlagung der Revolution mitwirkte, während Österreich noch mit dem ungarischen Aufstand zu kämpfen hatte. Friedrich Wilhelm IV. befand sich in einem für ihn typischen Widerspruch: einerseits suchte er politischen Anschluss an Habsburg, andererseits sah er im Unionsprojekt des Generals Joseph v. Radowitz seine eigene Vorstellung von legitimer Einigung Deutschlands am Wirken, nachdem er die Krone des Frankfurter Parlamentes abgelehnt hatte. Aber Sachsen und Hannover sagten sich schon im Frühjahr 1850 von der Vereinbarung los, und Wien beendete die ihm missliebige Unionspolitik ziemlich harsch am 29. November 1850 in der Olmützer Punktation.
26. Mai 1857 Pariser Abkommen, in dem Preußen endgültig auf die Hoheitsrechte auf das schweizerische Neufchâtel verzichtet
1707 hatte Preußen die Oberhoheit über das Fürstentum Neuenburg oder Neufchâtel vom Haus Oranien geerbt. Mit der Zeit lehnte sich das Land locker an die Schweiz an. Im Zusammenhang mit dem Sonderbundkrieg von 1847 gab es erste Querelen um den Status des Landes. Unterm Eindruck der Revolutionen in Europa wurde 1848 der preußische Statthalter vertrieben und Neuenburg zum Schweizer Kanton gemacht. König Friedrich Wilhelm IV. akzeptierte das zunächst. Nachdem die Restauration wieder Raum griff, kam er auf seine Ansprüche zurück, die von den Mächten im Londoner Protokoll vom 24.5.1852 auch verbal anerkannt wurden. Als 1857 ein Aufstand der Königstreuen unter Graf Pourtalès niedergeschlagen und diese gefangen genommen wurden, machte der verärgerte König 160.000 Mann mobil. Es kam zu französischer Vermittlung und endlich zum Verzicht auf die Hoheitsrechte, im Gegenzug hatte die Schweiz die Gefangenen freizulassen.
27. Mai 1755 Verlegung des Freiherrn von der Trenck in die Sternschanze
Was wir von dem merkwürdigen Schicksal von der Trencks wissen, stammt vor allem aus seiner eigenen Feder – ein Grund zur Vorsicht. Gesichert scheint, dass der glänzende junge Offizier in Friedrichs des Großen Gunst stand, die er sich durch Disziplinlosigkeit verscherzte. Ebenso scheint zu stimmen, dass er eine wie auch immer geartete Beziehung zur Schwester des Königs, Prinzessin Amalie, unterhalten haben soll. Was genau den königlichen Zorn in einem Maße hervorrief, das seinesgleichen in der preußischen Geschichte sucht, kann man nur mutmaßen. Jedenfalls wurde Trenck 1754 in Magdeburg eingesperrt, und nun beginnt eine Geschichte, die irgendwo zwischen der des Grafen von Monte Christo und der des Barons von Münchhausen angesiedelt war. Trenck trifft Vorbereitungen zur Flucht, und buchstäblich Stunden, bevor er sie bewerkstelligen kann, wird er in einen (auf Kosten seiner eigenen Schwester) neu erbauten Kerker in die Sternschanze der Festung Magdeburg verlegt, wo er noch neun Jahre zubringen sollte. Später wurde er um seiner Leiden unter den Monarchen Europas willen von der französischen Revolution gefeiert – die ihn dann allerdings ein wenig später als Aristokraten guillotinieren ließ.
28. Mai 1443 Kurfürst Friedrich II. stiftet den Schwanenorden

Als die Hohenzollern in die Mark kamen, konnten sie auf der agrarischen, organisatorischen und missionarischen Leistung des Zisterzienser-Ordens aufbauen. Um aber einen eigenen religiösen Akzent zu setzen, förderten sie die Verehrung Marias, die für die nach ihren Begriffen verrohte märkische Bevölkerung sinnvoll und erzieherisch wertvoll sein könnte. Kurfürst Friedrich II. stiftete in Ausführung eines Planes seines Vaters den Schwanenorden. Diese Ordensgemeinschaft orientierte sich an der Prämonstratenserregel, ihr Symbol, der Schwan, galt aufgrund seiner weißen Farbe als Symbol der Virginität und Reinheit. Es assoziierte christliche und antike Bedeutungen gleichermaßen. Mit der Reformation verfiel dieser marianische Orden, erst die romantische Mittelalterbegeisterung des 19. Jahrhunderts rief ihn wieder ins Leben. König Friedrich Wilhelm IV. gründete ihn am 24. Dezember 1843 neu und verlieh das erste Ordenskleinod an seine Gemahlin, Königin Elisabeth. In der Folge geriet der Orden erneut und endgültig in Vergessenheit.

28. Mai 1695 Grundsteinlegung für das Zeughaus in Berlin durch Kurfürst Friedrich III.

Der Bau wurde unter der Leitung von Johann Arnold Nering begonnen. Später wurde er durch Martin Grünberg und Andreas Schlüter fortgeführt, endlich wurde das militärische Prunkgebäude, welches die brandenburgische Artillerie und sonstige Waffen und Munition aufnehmen sollte, von Jean de Bodt beendet. Zum Schmuck des Innenhofes schuf Schlüter 1689 – 99 die 22 Masken sterbender Krieger, die – im Unterschied zu den steinernen Trophäen auf dem Sims des Gebäudes – vom Leiden des Krieges sprechen. Noch in der Revolution von 1848 schien es den Aufständischen sinnvoll, das Gebäude zu stürmen, um sich zu bewaffnen. Unter Wilhelm I. wurde es zu einem Museum preußischen Kriegsruhmes.

29. Mai 1777 Generalleutnant Friedrich August Ludwig von der Marwitz geboren

Marwitz diente zunächst im exklusiven Regiment Gensdarms, dessen adliger Stil auch der seines Lebens war. Den Feldzug von 1806 machte er als Adjutant des Fürsten Hohenlohe mit, er ließ es an Tapferkeit und Einsatz nicht fehlen. Gegenüber der Steinschen Reformtätigkeit blieb er skeptisch, gegen Hardenbergs Ideen der Staatswohlfahrt und Aufhebung der alten Stände ging er als Wortführer des Protestes soweit in aktive Opposition, dass ihn Hardenberg im Juli 1811 eine zeitlang auf der Festung Spandau einsperren ließ. In den Befreiungskriegen führte der aristokratische Marwitz eine Landwehrbrigade, wobei er pragmatische Beschränkung auf das Machbare (einziges von ihm verlangtes Kriterium der Reitkunst war „Gewalt über das Pferd“) und echte Führungsqualitäten (etwa in den Gefechten bei Wittenberg und Hagelberg) bewies. 1815 nahm er an den Schlachten von Ligny und Wavre teil. Am 6.12.1837 starb Friedrich August Ludwig von der Marwitz. Fontane rühmt an ihm, dass er eine eigene Meinung gehabt und ausgesprochen habe, bevor dies allgemeiner politischer Stil geworden sei. Er glaubte an die Führungsmission eines Adels, der sich selbst als militärische und politische Leistungselite einzubringen habe.

30. Mai 1633 Friedrich Landgraf von Hessen-Homburg geboren

Der Landgraf von Hessen-Homburg war brandenburgischer General der Kavallerie. Wie Derfflinger zuvor in schwedischen Diensten, verlor er bei der Belagerung von Kopenhagen 1659 ein Bein und behalf sich mit einer Prothese, weshalb man ihn den Prinzen „mit dem silbernen Bein“ nannte. Er hatte hervorragenden Anteil an der Schlacht bei Fehrbellin. Dort kommandierte der Prinz eine 1500 Reiter starke Vorhut, mit der er die Schweden bei Linum attackierte und zum Halten zwang. Das war der Auftakt der Schlacht, die mit dem Eingreifen der Hauptmacht unter Derfflinger und dem Kurfürsten ihren Lauf nahm. Landgraf Friedrich ist die Vorbildgestalt für Heinrich von Kleists „Prinzen von Homburg“, wobei eine so greifbare Differenz zwischen Befehl und eigener Initiative, wie sie der Dichter darstellt, bei ihm nicht nachzuweisen ist.

31. Mai 1740 Friedrich Wilhelm I. gestorben. Thronbesteigung Friedrich II.

Friedrich Wilhelm I. war ein „Soldatenkönig“, aber kein Kriegskönig. Bei aller Betonung des Militärischen hat er sich selbst nur an einem Krieg beteiligt (dem Nordischen, mit Gewinn Vorpommerns 1720); die anderen kleinen Erwerbungen, die er dem Staat hinzufügte, sind eher Früchte seiner Diplomatie. Unter seiner Herrschaft kam die Redensart auf: „So schnell schießen die Preußen nicht.“ Er hinterließ ein für die Landesgröße gewaltiges stehendes Heer von ca. 83.000 Mann und einen reichen Staatsschatz – Grundlagen, ohne die sein Nachfolger niemals so hätte agieren können, wie er es dann tat. Insofern steckt Wahrheit in der Stilblüte aus einem Schüleraufsatz: „Friedrich der Große wäre ohne seinen Vater undenkbar gewesen.“

31. Mai 1750 Karl August Fürst (1814) von Hardenberg geboren

Hardenberg war preußischer Minister, bevor Napoleon dem König den Freiherrn von Stein empfahl – in Verkennung von dessen wahrer Gesinnung. Nachdem Friedrich Wilhelm III. diesen auf französisches Betreiben fallen lassen musste, kehrte Hardenberg als Staatsminister zurück. Er führte die Reformen, die Stein begonnen hatte, zu ende, und gab ihnen zugleich eine mildere Form und eine etwas andere Ausrichtung. Ihm ging es mehr um die Effizienz der Verwaltungsgänge als um eine weitgehende Demokratisierung. Schon 1807 hatte er, gemeinsam mit Altenstein, in der so genannten Rigaer Denkschrift sein Programm niedergelegt. Unter Hinweis auf die französischen Erfahrungen seit 1789 forderte er eine „Revolution von oben“ für Preußen. Auch spielte darin das Konzept des Wirtschaftsliberalismus eine wichtige Rolle. So führte Hardenberg die Gewerbefreiheit ein und hob den Zunftzwang auf. Auch um die Judenemanzipation in Preußen machte er sich verdient, das entsprechende Edikt trägt seine Handschrift.

31. Mai 1809 Tod des Majors Ferdinand von Schill

Schill hatte sich mit seinem 2. Brandenburgischen Husarenregiment nach Stralsund durchgeschlagen. Dort erwartete er Unterstützung durch englische Truppen und bereitete die Stadt zur Verteidigung vor. Als dann endlich die Rotröcke erschienen, ließ er die Tore öffnen. Zu spät erkannte er, dass es sich nicht um die Briten, sondern um die mit Napoleon verbündeten Dänen handelte, die ähnliche rote Uniformen trugen – wie man heute noch bei der Wachablösung vorm dänischen Königsschloss Amalienborg sehen kann. Beim anschließenden Straßenkampf fand Schill mit vielen seiner Kameraden den Tod, andere wurden gefangen genommen und erschossen, noch andere als Galeerensträflinge nach Frankreich deportiert.

31. Mai 1842 Stiftung der Friedensklasse des Pour le Merite durch König Friedrich Wilhelm IV.

Als Friedrich II. 1740 den vorher bestehenden Hoforden „de la Générosité“ zum Pour le Mérite umwandelte (ein genaues Datum für diesen Akt kann man nicht feststellen), war gleichermaßen an künstlerisches, wissenschaftliches wie militärisches Verdienst gedacht. Daher ehrte Friedrich auch den Mathematiker Maupertius (1747) und den Schriftsteller Voltaire mit der Auszeichnung. Bald aber wurde der Pour le Mérite ein reiner Kriegs- und Tapferkeitsorden (endgültig 1810). Es ist typisch für Friedrich Wilhelm IV., dass er auf die eigentliche Absicht zurückkam und ziviles Verdienst dem militärischen ebenbürtig machen wollte. Auch die äußere Gestalt des neuen Ordenszeichens, in dem die Kreisform das Kreuz dominiert, entspricht dieser Aussage, während das achtspitzige Malteserkreuz des ursprünglichen Pour le Mérite ein durchaus stolzes, auch ein wenig aggressives Symbol ist – oder wurde.

 
 
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